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Gedanken einer Mutter

Kennst du das – du sitzt da, wartest, und plötzlich läuft vor deinen inneren Augen ein Film ab. in meinem Fall heute morgen ausgelöst durch ein Wort auf das ich sties, als ich meine Bibel aufschlug.

Vor einigen Tagen war mir ein Losungskärtchen von vor 10 Jahren in die Hand gefallen. Es hatte mich so sehr bewegt und etwas in meinem Herzen angesprochen, da es an einem Geburtstag meines sohnes vor vielen Jahren war und mich das Wort in dem Zusammenhang schon vor Jahren sehr angesprochen hatte.

Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Mühe wird noch belohnt werden, spricht der Herr.

Jer 31.16

Ja, das hat Gott damals zu seinem Volk gesprochen – als ich es eines Tages las, fiel es aber auch genau in meine Umstände und mein Herz. Das geschieht, wenn Gott uns ein ganz persönliches Wort geben möchte, etwas, das jetzt Gültigkeit bekommen soll.

In dem Wissen, sie immer wieder verabschieden zu müssen, war aber auch eine große Freude darüber, welchen Weg Gott mit den beiden geht.

Und Gott hatte mir damals zugesagt, meine Trauer in Freude zu verwandeln, und das geschah auch. Ich habe erlebt, wie meine Trauer über den Ozean hinweg in Freude verwandelt wurde.

Heute sehe ich uns in Nürnberg am Flughafen stehen und Manu und Abi verabschieden. Sie waren auf dem Weg nach Mexiko, wir wussten nicht, wann wir sie würden wiedersehen, wo sie die Jahre verbringen würden – meine Tränen füllten den Boden des Terminals.

Das wort in Jeremia geht weiter:

Ja, es gibt Hoffnung für deine Zukunft, spricht der Herr, und deine Kinder werden in ihr Gebiet zurückkehren.

Jer 31.32

Wenn ich sie heute morgen vor mir sehe, die Zeit, die seitdem vergangen ist, dann staune ich über die Wege Gottes. Gott selber hat sie zurück gebracht, hat sie über alles Verstehen hinaus nach Spanien gesandt. Gerade heute bin ich so sehr dankbar dafür – es fühlt sich so nahe an. Es liegt kein Ozean mehr zwischen uns.

Ich staune über das, was Gott in ihrem Leben tut und empfinde – so, wie die Welt momentan so ruhig geworden zu sein scheint, unser Leben zum Teil äußerlich ruhig gestellt wurde – gleichzeitig geschieht es, dass Gott Stimmen seines Volkes erhebt.

Manu und Abi sitzen buchstäblich seit 5 Wochen (schon länger als wir hier in Deutschland) in ihrer wenig Quadratmeter großen Wohnung.

Manuel war gerade einen Tag bevor die spanische Ausgangssperre ausgerufen wurde, von Kolumbien zurückgekehrt, kam vom Flughafen in Madrid zurück in die kleine Wohnung mitten in der Stadt – in diesen Tagen erfahren sie, dass die Ausgangsspeere in Madrid noch einmal um zwei Wochen verlängert wird.

Seit Wochen ist das Highlight an Bewegugsfreiheit  der Spaziergang zum kleinen Supermarkt am Ende der Straße – am besten scheint es zu sein, wegen jeder Banane einen extra Gang zu tätigen und natürlich alleine. Die Schritte so langsam wie möglich, um die Luft, die Freiheit auf der von hohen Häusern umgebenen Straße zu genießen.

Die beiden lieben die Natur. Sie lieben die Bewegung. Sie lieben es, sich auszupowern – am liebsten am Felsen. die Herausforderung beim Klettern. Sie lieben es, in die Parks, in die Straßen zu gehen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, ihnen von Jesus zu erzählen, für sie zu beten.

Und sie lieben Gott. Sie lieben seine Gegenwart. Und dort verbringen sie viel Zeit, nun noch mehr, wo sie doch seit Wochen in ihrer kleinen Wohnung sitzen. Diese Wohnung die lichtdurchflutet ist. Als wir vergangenen Sommer bei ihnen waren, mit ihnen Holz einkaufen gingen, Möbel bauten, freute ich mich so sehr darüber, dass diese Wohnung so viel Licht hatte, weil sie auf zwei gegenüber liegenden Seiten hin geöffnet ist – durchflutet von Licht.

In diesen Tagen denke ich sehr an die Beiden (vor allem, wenn ich an den Luxus denke, in dem ich trotz aller Einschränkung sein kann – ich kann immer noch jederzeit in den Garten oder am Fluss, im Wald, im Dorf spazieren gehen oder joggen). Gleichzeitig staune ich immer wieder darüber, wie sie diese herausfordernde Zeit jetzt erleben, nutzen und wie Gott sie hervorbringt.

Sie sind nicht leise geworden, dort eingeschlossen. Nein, vielmerh, Gott erhebt gerade in dieser Zeit ihre Stimme – und das nicht nur in den Straßen Madrids, sondern darüber hinaus. So konnten sie die vergangenen Wochen vieles tun, wozu sie vorher nie kamen – und sie haben es getan. Videobotschaften der Hoffnung, der Zuversicht verbreitet – Botschaften voll Kraft. 24/7 burn, europaweit leiteten sie eine Lobpreis – und Fürbittestunde, sprechen in ihrer Kaleo-Gemeinde – Gott lässt ihre Stimme nicht verstummen, sondern gerade in dieser Zeit laut und gewichtig werden.

Ich liebe es, wie Gott in unserem Leben ist und sein will.

Die Verborgenheit macht uns sprachfähig. Heute erleben wir mehr denn je, dass die Menschen, die aus der Verborgenheit kommen, sich in der Verborgenheit zurüsten lassen, Worte mitbringen, die Hoffnung geben, die ausrichten – die wirkliches Leben in sich tragen, weil sie das Leben, die Kraft und den Geist Gottes in sich tragen. Weil sie von seinem Geist ausgerüstet, gefüllt sind. Buchstäblich abgefüllt bis über den Rand, damit es überfließen, hinfließen kann zu denen, die durstig sind.

Gott ist unser Versorger, innerlich und äußerlich – in Madrid genauso wie auch hier oder sonstwo auf der Welt – wenn wir ihn das auch sein lassen. Ihm den Raum dafür geben.

So können wir staunen über das was geschehen kann.