Drei – doch Eins

Wer ist der Heilige Geist?

Vielleicht gibt es über keine Person der Dreieinigkeit Gottes soviel Klärungsbedarf wie über den Heiligen Geist. Doch beginnt unser nicht Verstehen nicht bereits bei der Dreieinigkeit Gottes? Wie kann Gott drei in Einem sein? Wie alles andere auch an Gott, scheint es unseren Verstand zu sprengen. Und ich bin froh darüber – denn Gott erklärbar, wäre nicht wirklich Gott für mich. Mein Leben jemandem anzuvertrauen braucht es, dass ich aufschauen kann, dass ich spüre und erlebe, da ist jemand soviel Größeres.

Darum – ich will Gott gar nicht mehr verstehen müssen!

Eine wunderbare Wesensart der Dreieinigkeit Gottes ist Liebe und Demut. Die Liebe zueinander, die Liebe zwischen Vater, Sohn und Geist ist einzigartig und gekennzeichnet durch Demut. Demut, die vollkommen im Charakter Gottes wiedergegeben wird.

Jeder verweist auf einen anderen.

Der Heilige Geist weist auf Jesus hin.

Wenn der Fürsprecher kommt, den ich vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, wird er Zeugnis ablegen über mich.

Joh 15.26

Jesus zeigt den Vater und repräsentiert ihn.

Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.

Joh 14.7

Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.

Joh 17.26

Der Vater wiederum sagt:

Dies ist mein gelieber Sohn!

Mt 3.17

Der Heilige Geist ermöglicht es uns, den Vater zu hören und den Sohn zu sehen.

Der Fürsprecher aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Joh 14.26

In diesem Kreislauf leben Vater, Sohn und Geist – und sind eins. In einem Lied heißt es, drei Personen und doch eins. Ja, der Heilige Geist ist mehr als Wind, als Atem, er ist die dritte Person Gottes. Ein Geheimnis, das ich mehr und mehr verstehen lernen möchte. Mehr noch, ich möchte darin, damit leben lernen. So wie der Heilige Geist bereits in jedem lebt, dessen Leben Jesus gehört, um unser selbst Willen dort ist, so möchte ich auch immer wieder neu seine Kraft, seinen Frieden, seinen Trost, seine Liebe auf meinem Leben sehen und bete darum beharrlich und immer wieder neu, komm Heiliger Geist, ich brauche mehr von dir. Täglich, denn er will auf uns sein, um der anderen willen.

Durch den Heiligen Geist ist die Gegenwart Gottes in uns und auf uns – so empfinde ich Liebe für ihn, genauso wie für Jesus und den Vater. Und das macht mich frei und offen für alles vielleicht Befremdliche, alles Komische, all das, was schwer einzuordnen ist, denn ich kann ihm genauso vertrauen wie dem Vater.

Der Geist der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seit in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!

Rö 15.13

Weites Land

Ich denke daran, wie der Jünger Johannes die letzte Zeit mit Jesus beschreibt. Jesus wusch seinen Jüngern die Füße, feierte mit ihnen das Passahmahl und dann spricht er leidenschaftlich über seine Beziehung mit dem Vater, über den Heiligen Geist, den er senden wird, über die Einheit zwischen Vater, Sohn und Geist und über unsere Berufung, unseren Ruf, in seiner Liebe zu leben.

Petrus wird Jesus in Kürze verleugnen, Judas wird ihn verraten, die Jünger werden ihn in seiner schlimmsten Stunde alleine lassen. Jesus weiß das – und liebt uns wie der Vater ihn liebt.

Wenn es heißt, wir sollen Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit unserem ganzen Verstand lieben, dann ist diese Liebe messbar an der Größe meines Vertrauens in einen Gott der gut ist. Der der Geber aller guten Gaben ist.

Ich möchte wie der Jünger Johannes sagen:

Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und haben dieser Liebe unser ganzes Vertrauen geschenkt.   1 Joh 4.16

Paulus betet im Epheserbrief darum, dass

… unser Leben in der Liebe des Vaters verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist …   Eph 3.17

Das wünsche ich mir, damit wir in unsere Bestimmung kommen, damit wir lernen, die Freude in Gottes Blick zu sehen, wenn er auf uns schaut. Für ihn sind nicht unsere Begabungen wichtig, wir sind für ihn die Gabe.

Jesus wusste, was den Jüngern bevorstand, wie sehr ihr Leben in Kürze erschüttert werden würde durch seinen Tod und er wollte sie ausrüsten, vergewissern, in dem er von der Liebe spricht, die er und der Vater für sie haben. Und dann führt er sie in eine neue Bestimmung, gibt ihnen einen neuen Namen.

Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt.   Joh 15.15

Was für ein Privileg. Wir sind in die Freundschaft mit dem lebendigen Gott gerufen.

Als Jesus starb, müssen Stürme in den Herzen der Jünger getobt haben. Alles, was sie gehört, an Vertrauen und Glauben gewonnen hatten, wurde total erschüttert. Ich weiß nicht, ob sie sich in diesem Zustand an Jesu Worte erinnerten. Ihr Verhalten sah nicht danach aus, als sie sich voll Angst und Furcht nach seinen Tod zurückzogen. Aber sie hielten aus.

Und dann kam der, von dem Jesus voll Leidenschaft gesprochen, den er ihnen versprochen hatte.

Der Tröster. Der Geist der Wahrheit. Der Beistand, der sie alles lehren sollte. Der sie an alles erinnern sollte, was er sie gelehrt hatte. Der, der nicht aus sich selbst redet, sondern das, was er beim Vater hört. Von dem Jesus gesagt hatte:

Es ist zu eurem Wohl, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Fürsprecher nicht zu euch kommen; wenn ich aber gehe, wird ich ihn zu euch senden.  Joh 16.7

Der Heilige Geist ist Jesus Geschenk an die Jünger, an uns heute. Er ist es, der zur Umkehr ruft, der den Vater offenbart.

Im Römerbrief heißt es:

Der Geist, den ihr empfangen habt … er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir: Abba, Vater!    Rö 8.15

Nachdem die Jünger an Pfingsten mit dem Heiligen Geist getauft werden, sind sie völlig verändert. Ihr Leben wird komplett auf den Kopf gestellt. Aus diesen kleingläubigen, ängstlichen Menschen werden Apostel, die ein brennendes Herz haben, das Evangelium zu verbreiten, beständig im Fasten und Beten Gemeinschaft haben und im Vorbeigehen Kranke Heilen und Dämonen austreiben. Sie wurden zu Menschen, die sagen konnten:

Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und ihr geglaubt.   1 Joh 4.16

Wenn wir dieser Liebe unser ganzes Vertrauen schenken, dann wird es sichtbar in unserem Leben. Dann stehen wir in dem weiten Land, das Gott uns geben möchte. Wenn wir eine neue Bestimmung zugesprochen bekommen, ein neuer Name über uns ausgesprochen wird, dann sollen wir diesen Platz einnehmen. Ohne etwas dafür getan zu haben gehört er uns – doch wir müssen ihn einnehmen.

Ich möchte in dem Vertrauen leben, dass der Glaube an seine vollkommene Liebe freisetzt. Sie ist Voraussetzung für alles, was an Gutem in meinem Leben ist.

Gegenwart

Was Gott mit mir und durch mich erreichen kann, ist davon abhängig, wie uneingeschränkt ich mich auf ihn verlasse, ihm vertraue.

Ihr sollt Frucht bringen in jedem guten Werk und wachsen in der Erkenntnis Gottes, versehen mit aller Kraft und getragen von der Macht seiner Herrlichkeit – so werdet ihr in allen Dingen Standhaftigkeit und Geduld finden.  Kol 1.10-11

img_87481-e1523247164748.jpgDas neue Jahr hatte begonnen – 2013.

Ich spähe aus, um zu sehen, was er mir sagt.    Hab 2.1

Zu Jesu Füßen sitzen. Gottes Gegenwart wahrnehmen, glauben lernen.

Während ich in seiner Gegenwart Dinge durchdenke, kann er meine Gedanken lenken und formen und ich lerne, mit meinem Herzen hinauf zu schauen und erkenne, im Schauen, Sehen, Lieben wird unser Herz dem ähnlicher, den wir anschauen.

Deswegen sucht sich Gott Anbeter. Nicht, weil er unsere Anbetung bräuchte, sondern weil wir mehr und mehr nach dem werden, was wir anbeten.

Leanne Payne beschreibt es so: Das Gute, das wir anziehen, sinkt in das Innerste unseres Seins und verbindet sich mit dem Bild Gottes in uns.

Hineingehen in das Allerheiligste macht mich gewiss.

Ich empfinde unendliche Dankbarkeit über die vergangenen, wenigen Monate, in denen sich das Leben so voll, so dicht angefüllt hat. Gott hat sehr gute Gedanken über mich, über mein Leben.

Dankbar bin ich über die Vision, die sich innerlich entwickelt, aber anstatt durchzustarten, höre ich:

Eines nur ist wichtig. Maria hat das Bessere erwählt. Das kann ihr nicht mehr genommen werden.  Lk 10.42

Seid still und erkennt, dass ich Gott bin!    Ps 46.11

IMG_2804[898]In Gottes Gegenwart zu leben bedeutet anzunehmen, dass er immer bei mir ist, auch ohne ein subjektives Gefühl, ohne eine Erfahrung zu suchen. Es heißt, ihn zu suchen, nicht das Erleben. Und gleichzeitig ist das Hören seiner Stimme ein Teil seiner Gegenwart.

Das Salböl, das ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen, vielmehr belehrt euch sein Salböl über alles.  1 Joh 1.27

Es ist wirklich der Heilige Geist, der mich lehrt, der mich neue Wege führt. Manchmal durch das, was weise Menschen schon durchlebt, geschrieben haben, aber oft auch einfach durch sein geschriebenes oder gesprochenes Wort.

Er nutzt meinen Verstand, meine Vorstellungskraft, meine Fähigkeit und Gefühle und macht sie durch Hören reifer. Es braucht nur Raum und Zeit dafür.

Herausgenommen

Nicht ohne Furcht und Aufregung war ich in ein Wochenende alleine mit Gott gestartet.

Ein umgebauter Heidewagen auf einem Campingplatz im Schwäbischen wartete auf mich.

Die Fremde will sich über mich stülpen als ich dort ankomme und ich suche nach einem netten Café, um noch einmal ein Stück Vertrautheit zu haben, bevor ich in die Einsamkeit abtauche. Dabei lande ich direkt vor einer Buchhandlung und sehe, es ist nicht nur Buch, sondern auch Schönes, Kaffee und Kuchen, was man hier erhalten kann und wieder einmal staune ich über Gottes Fürsorge. Er weiß einfach, was mein Herz braucht, was ich liebe, was mir gut tut.

6tag_180717-1644182.jpgLange halte ich mich darin auf, entdecke, genieße und frage mich, was hier für ein Geist herrscht – es scheint der Heilige zu sein. Als ich eine Mitarbeiterin darauf anspreche bestätigt sie es mir und erklärt mir das Konzept des Ladens:

Die Liebe Gottes soll spürbar, der Heilige Geist erlebbar sein an diesem Ort.

Das kann ich nur bestätigen und fahre nun wie neu beheimatet zu meinem Schäferwagen.

Gott ist hier. Er ist in diesen Tagen mit mir. Er versorgt mich.

Dieses immer wieder Bestätigen seines Wortes, dessen, was ich in meinem Herzen zutiefst zu glauben versuche, das berührt mich immer wieder aufs Neue. Manchmal kann ich die Güte, die sich darin erweist, kaum fassen. Aushalten.

Warum beschenkt mich Gott so sehr?

Was wird dies Wochenende noch alles bringen?

Nachdem ich meine vorübergehende, neue Heimat bezogen habe, gehe ich in der Dämmerung spazieren, fühle die Fremde als etwas Beängstigendes und fühle trotzdem Gottes Schutz, seine Gegenwart.

mogen-mc3a4rz-0141.jpgRichte deinen Blick auf meine Gegenwart, das höre ich am nächsten Morgen, als ich noch vor Dämmerung erwache. In meiner Gegenwart wird dein Denken, dein Herz geformt, gereinigt.

Was ich bereits kenne und auch die folgenden Jahre immer wieder erleben werde:

Gott führt immer zuerst in das Eigene hinein, reinigt, tröstet, heiligt und lässt dann in die Welt schauen.

In diesen Tagen hier im Heidewagen nehme ich immer wieder den Ton in die Hand, den ich mitgenommen habe und forme ihn in meinen Händen zu dem, was es werden soll.

In diesen Stunden wird auch in mir etwas geformt. Ich kann es noch nicht sehen, aber spüre, wie der himmlische Meister am Werk ist. Während ich den Ton in meinen Händen forme, spüre ich mich in den Händen des Schöpfers.

Manchmal ist es ein Ringen, manchmal gelingt es einfach, immer wird es mir zum Bild für das eigene Leben.

6tag_251117-130137Wenn es heißt, der Heilige Geist ist mein Tröster, dann bedeutet das praktisch, ich gebe ihm meine Traurigkeit.

Wenn Jesus meine Sehnsucht stillt, bedeutet das, ihm meine Sehnsucht zu geben.

Alles was Gott mir sein möchte, erlebe ich in dem Loslassen dessen, was ich festhalten möchte. Es wird zur Wahrheit, während ich meine leeren Hände  hin halte. Dort kann es sich hineinlegen, dort werde ich es empfangen.

Ich stoße auf Kol 1.12-23, wo es um das Geheimnis Gottes geht, in das ich nun eintauche.

Es macht mein Herz ganz weit, weil es mich hineinsehen lässt in Gottes Denken, Wollen, Sehnen.

Hier in meinem Herzen beginnt der Glaube tiefer zu wachsen und das Erkennen, Verstehen beginnt mein Herz zu formen, zu bilden.

Als schlichte, aber tief bewegende Tage zu Ende gehen, fühle ich mich gefüllt mit Gottes Gegenwart, Berührung von Herz zu Herz.