Sturmzeit

Deep within me are these lovesick longings -.

Ps 84.2 Passion Translation

Liebeskrank – kennst du das?

Und kennst du diese Sehnsucht nach Gott?

David kannte das und traute sich auch, diesen Gefühlen Raum zu geben. Je mehr Raum die Sehnsucht nach Gott in mir bekommt, um so mehr empfinde ich, oftmals nicht verstanden zu werden. Auch im Zusammenhang mit meinen beiden Büchern begegnet mir das. Umso mehr überwältigt und bestätigt es mich dann aber auch, wenn ich Rückmeldung bekomme, wo Gedanken und Worte aus dem ´Weitem Land´ oder ´Hineni´ im Leben von Menschen etwas bewirkt und verändert. Meine größte Freude ist es dann, wenn es einfach näher an das Herz Gottes und in das Vertrauen hinein zieht. Dazu sind sie geschrieben.

Diesen wunderbaren Ausblick hatten wir gerade in unserem Urlaub direkt von unserem Zelt aus. An diesem Ort ist ein Großteil meines neuen Buches geworden. Anfang des Jahres hatte ich dem Verlag davon erzählt und war sehr ermutigt worden dazu. Gleichzeitig bekam ich von völlig überraschender Seite wie ein prophetisches Wort dafür. Nun bin ich auf den letzten Seiten angelangt – sie fordern mich…

Leidenschaft bringt auch Leiden hervor – damit hatte ich den letzten Blog beendet. Meine Leidenschaft für Gott bringt immer auch mit sich, um der Wahrheit Willen über ihn, zu leiden. So geht es mir auch zur Zeit häufig, dass ich um Worte, um die Wahrheit ringe. Wie können meine kleinen Worte IHM gerecht werden? Und wie können sie Sehnsucht in anderen wecken?

Ich schreibe über Leidenschaft, die Gegenwart Gottes und auch über das Leiden.

Wenn es in unserem Leben stürmt – und was Stürme für uns bedeuten, das ist ganz unterschiedlich – aber immer gleich ist: wir brauchen in unseren Stürmen die Begegnung Gottes. Wir brauchen nichts dringender als den festen Halt, die sichere Burg, den Schutz seiner Flügel. Wir brauchen den Begegnungsraum, aus dem heraus wir zu ihm schreien.

In so einen Begegnungsraum, wo ein Mensch nach Gott ruft, tritt Hanna, die Mutter des Propheten Samuel. Sie ist eine verheiratete, kinderlose Frau, die in einer gläubigen Familie lebt. Sie wird von ihrem Mann geliebt, ist aber kinderlos – und sie leidet sehr darunter, da sie Scham und Not erlebt in dieser Kinderlosigkeit. Jahr für Jahr ging sie mit ihrem Mann und der gesamten Familie nach Schilo, um Gott zu opfern und anzubeten.

Sie aber war verbittert und betete zum HERRN und weinte heftig. Und sie legte ein Gelübde ab und sprach: HERR der Heerscharen, wenn du das Elend deiner Magd siehst und an mich denkst, wenn du deine Magd nicht vergisst und deiner Magd männliche Nachkommenschaft gibst, will ich ihn dem HERRN geben, solange er lebt, und an sein Haupt soll kein Schermesser kommen. Und als sie lange vor dem HERRN gebetet und Eli auf ihren Mund geachtet hatte, Hanna redete nämlich in ihrem Herzen, nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme aber war nicht zu hören – hielt Eli sie für betrunken. Und Eli sagte zu ihr: Wie lange willst du Betrunkene dich so benehmen? Werde nüchtern! Hanna aber antwortete und sprach: So ist es nicht, mein Herr, ich bin eine verzweifelte Frau. Und ich habe weder Wein noch Bier getrunken, ich habe mein Herz vor dem HERRN ausgeschüttet. Halte deine Magd nicht für eine ruchlose Frau, denn aus tiefer Verzweiflung und aus Gram habe ich so lange geredet. Daraufhin sagte Eli: Geh in Frieden! Und der Gott Israels möge dir geben, was du von ihm erbeten hast. Und sie sprach: Deine Sklavin möge Gnade finden in deinen Augen. Und die Frau ging ihres Wegs, und sie ass, und ihr Gesicht war nicht mehr betrübt .

1 Sa 1.10-18, ZUR

Was tat Hanna?

Obwohl diese Geschichte widergibt, was wir selbst immer wieder erleben, nämlich das Gefühl, dass wir etwas verpassen, dass Segen scheinbar an uns vorbei geht, können wir im Leben von Hanna sehen, wohin sie sich wendet. Es heißt sie war verbittert. Bitterkeit im Herzen hat oft ganz tiefe Wurzeln. Wurzeln, die sich an alles erinnern, was einmal gewesen ist oder nicht wurde. Bitterkeit trennt und kann sehr zerstörerisch sein. Doch obwohl es von ihr heißt, sie sei bitter in ihrem Herzen, wendet sie sich an Gott. Das ist so wunderbar, erleben wir doch häufig eher das Gegenteil. Hanna betete unter vielen Tränen zu Gott. Sie blieb lange dort. In ihrem Herzen war noch ein anderer Raum neben der Bitterkeit. Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass es Vertrauen war. Vertrauen, das um das eine zu bitten wagt und es gleichzeitig auch im Moment des Erbetenen schon wieder zur Verfügung stellt, zurückgibt. Die wesentlichen Dinge können wir nicht machen, sondern nur empfangen. In Hannas Umstand ist das ganz klar der Fall. Sie ist abhängig von der Güte Gottes und legt ihr ganzes restliches Vertrauen in ihn. Es liegt eine Kraft darin, wenn wir alles in Gottes Hand legen und alles von ihm erwarten, dann wenn wir die Dinge nicht mehr selbst tun können. Unsere Sicherheit liegt dann nicht mehr in dem, was das Morgen bringt, sondern in dem, der das Morgen bringt.

Hanna macht Raum für Gottes Wirken, indem sie ihm ihren Schmerz, ihre ganze Not bringt. Sie erlebt, dort wo wir Raum in unserem Herzen, in unserem Schmerz machen, dort kann Gott sichtbar und erlebbar werden. Das bedeutet nicht, unsere Wünsche und Träume gehen in Erfüllung, unsere Umstände ändern sich – manchmal erleben wir Gott darin auch ganz anders und unerwartet, aber gewiss ist uns seine Gegenwart. Sie ist uns in seinem Wort verheißen und ich erlebe es. Dort, wo ich sie vermisse, da weiß ich inzwischen, es liegt an mir, es liegt daran, wo ich gerade bin oder worin ich gerade gefangen bin. In diesem Raum des ungeteilten Herzens werden wir etwas von Gott sehen oder hören. Vielleicht fällt es mir an der Stelle leichter, das anzunehmen, weil ich eher mich als Gott hinterfrage. Ich möchte eher an meiner Verfügbarkeit zweifeln als an Gottes Nähe, seinem Ja.

In ihrem Fall wird Hanna schwanger, bringt ihren Sohn Samuel zur Welt und als er 5 Jahre alt ist, bringt sie ihn wie versprochen in den Tempel.

Von Hanna lerne ich, umzugehen mit Enttäuschung, mit unerfüllten Wünschen und darin an Gott fest zu halten, mein ganzes Vertrauen auf ihn zu werfen und getrost Hoffnung im Herzen zu haben. Von ihr lerne ich, in meinem Schmerz die Gegenwart Gottes zu suchen, anstatt in meiner Not, weg zu laufen.

Das Thema meines Lebens scheint mir, vertrauend zu leben. Doch vertrauend leben macht verletzlich, es legt das Herz offen, jedoch nicht, um verletzt zu werden, sondern um empfangen zu können. Auch wenn mir mein Herz in dieser Offenheit verletzbar erscheint, weiß ich, Gott wird es nie verletzen, wenn ich es ihm anvertraue. Er ist immer ein Gott, der aufrichtet, der heilt, der wiederherstellt und zu Recht bringt. Er ist der Geber aller guten Gaben. Menschen verletzen mich, das Leben, die Lebensumstände können mich verletzen, etwas auf dieser Erde ist in mir verletzbar. Doch es ist nie Gott, der das tut. Um etwas, um jemanden verletzen zu können, braucht es einen Liebesmangel in uns und der ist bei Gott nicht zu finden. Er selbst ist die Liebe, das heißt, in ihm ist, in ihm kann darin kein Mangel sein. Ich bin verletzt bzw fühle mich von ihm verletzt, weil ich meine, mir stünde anderes zu als mir geschieht. So ist es mein Denken, mein Beharren auf mein Recht. Doch mein Recht, das einzige Recht das ich wirklich habe, in dem aber gleichzeitig auch alles zu finden ist, ist, sein Kind zu sein. Ich bin seine geliebte Tochter! Du bist sein geliebtes Kind, geliebtes Kind des himmlischen Vaters, des Königs aller Könige, des Schöpfers aller Dinge. Ein größeres Recht gibt es nicht. Ein größeres Recht braucht es nicht. In ihm ist alles gegeben, was wir brauchen, was wir je brauchen werden. Es ist unsere Identität. Diese Identität, die uns wirklich alles gibt, die uns ganz sein lässt. Da gibt es kein Rennen, kein Suchen, kein Ringen mehr nach mehr. Du brauchst nicht mehr die Anerkennung der Menschen – auch wenn dir gute Worte gut tun, wenn deine guten Worte anderen gut tun.

Manchmal ist es nötig, dass wir eine andere Perspektive einnehmen. Die Frage ist, schaue ich auf mein Leben, auf meine Umstände aus der Perspektive eines Menschen, der in seinem Leben schon viel verletzt wurde oder andere verletzt hat? Der unter der eigenen Schuld leidet genauso wie unter der Schuld anderer? Sehe ich mich dabei als ein Opfer? Oder sehe ich mein Leben aus Gottes Perspektive, der Perspektive als ein geliebtes Kind. Einem Menschen, dem Würde aus höchster Instanz zugesprochen wurde.

Das vergangene Jahr mit Corona hat viel Verletzlichkeit in Menschen hervorgebracht. Da wo es nicht um Existenzielles geht, da fühlen sich Menschen verletzt durch fremde Lebensumstände, zerstörte Pläne, Lebenskonzepte. Wir wurden aufgestört, sind empört über diese Störung, manchmal auch erschüttert, wie unsere Lebensplanung so in Unordnung geraten konnte.

Wenn wir verletzt darüber sind, wie uns so etwas geschehen, zugemutet werden kann, braucht es mitunter lange Wege, um auch eine Chance darin sehen zu können, um sich irgendwie darin zurecht finden zu können. Mit einem Perspektivenwechsel sehe ich plötzlich andere Seiten der Geschichte, sehe ich vorher nicht Sichtbares, obwohl es genauso da gewesen war. Vielleicht gelingt es sogar plötzlich, die ganze große Geschichte zu sehen.

Letztens sagte jemand, sie habe die vergangenen Tage so viel Schweres erlebt, tiefe Not, dass sie es nun brauche, dass in der vor uns liegenden Worshipzeit ihre Gedanken durchgespült werden müssten. Wir versuchen doch oftmals, bemühen uns sehr darum, abzuschalten, irgendwie in die Stille zu kommen, Stille in unsere aufgewühlte Seele zu bringen und erleben dabei, wie schwer das sein kann. Es wird uns zu einem weiteren Mühen und Ringen. Allein schon das Wort ringen bezeichnet die Anstrengung darin. Darum fand ich ihre Worte sehr passend und wahr: die Gedanken durchspülen lassen, heraus spülen lassen. Das kann geschehen, indem ich anderem Raum gebe, indem ich anderes hinein lasse. Man leert sich dabei nicht nur aus, was ohnehin sehr schwer ist und höchste Konzentration in der Meditation erfordert. Genauso kann ich ein Gefäß nur schwer reinigen, indem ich es einfach ausleere. Irgendwie bleibt doch immer ein Rest darin. Erst wenn ich es mit Neuem, Reinem fülle, wird alles andere komplett ausgespült.

Damit ich mit meinem Herzen empfangen kann, muss ich es öffnen. Genauso wie ich mit meinen Händen nur etwas empfangen kann, wenn ich sie öffne.

Noch einmal zurück zu Hanna im Tempel.

Sie sagte: Lass deine Magd Gunst finden vor deinen Augen! Und die Frau ging ihres Weges und aß und hatte nicht mehr ein ⟨so trauriges⟩ Gesicht

1 Sam 1.18 ELB

Hanna erlebte Mangel und brachte diesen zu Gott. Damit ging sie an den Ort der Hoffnung, wo sie betet und das Erbetene wieder zurückgibt. Ihre Zuversicht, ihre Hoffnung ist in der Gegenwart Gottes geworden. Sie weiß, er ist Gott Zebaoth, der Gott der Fülle.

Davon möchte ich lernen. Ich möchte meinen Mangel zum Ort der Fülle bringen, zu dem, der die Fülle ist und hat.

Fülle ist immer genug – es gibt nicht wenig oder viel Fülle!

Sturm

Es war stürmisch – sehr stürmisch!

Die ganze Woche über hatte der Wetterbericht regnerisches und kaltes Wetter vorhergesagt.

Es war herausfordernd, für dennoch schönes Wetter zu glauben.

Wir waren trotzdem losgefahren und begannen nun in Sturm und Regen die Zelte aufzubauen.

Die ganze Nacht und den kommenden Tag über stürmte es weiter. Das Meer und der Wind in den Bäumen waren so laut, dass es alle anderen Geräusche auf dem Campingplatz übertönte. Man hörte wirklich nichts anderes, obwohl ja unter normalen Umständen gefühlt jeder Atemzug des Campingnachbarn zu hören ist.

Der Morgen war beeindruckend – die Wellen des Meeres schlugen laut gegen das Land, allmählich riss der Himmel auf und mächtige Wolkenfetzen waren zu sehen. Jeder blaue Himmelsfetzen brachte Hoffnung in mein Herz – nun ändert sich das Wetter.

Und so wurde es!

Eine Woche lang hatten wir wunderbares Campingwetter.

Die Lautstärke des Sturmes in der ersten Nacht hatte sehr herausgefordert und daran erinnert, dass der Frieden und Ruhe hat, der im Sturm schlafen kann.

Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen.

Mk 4.38

Jesus lag bei einer stürmischen Fahrt über den See Genezareth im Boot und schlief. Er konnte schlafen, weil der Sturm zwar um ihn, aber nicht in seinem Herzen war. Sein Herz war angesiedelt in himmlischer Atmosphäre. Es war angesiedelt in ein Vertrauen in den, der über dem Sturm ist. Deswegen konnte er seine Jünger fragen:

Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr keinen Glauben?

Mk 4.40

Habt ihr keinen Glauben in den, der größer ist als jeder Sturm?

Der Wind und Wetter gebietet und es wird.

Wenn ich so lebe, dann kann mich ein Sturm nicht zerstören. Er kann mich aufstören und bringt mein Boot in Fahrt. Doch es geht dabei nicht unter.

Dennoch fordern Stürme in dieser Lautstärke heraus. Sie fordern heraus, wenn nichts mehr anderes zu hören ist, genau hin zu hören, genau hinzuschauen – wo reißt der Himmel auf.

Wo bricht Licht durch die Wolkendecke.

Wo kann ich mein Vertrauen hinwenden? Mich festhalten, denn wenn ich nichts sehe, nichts höre, ist es allein mein Vertrauen das festhält.

Vertrauen in den Vater, der immer gut ist. Immer treu ist. Immer Liebe ist.

Und letztendlich war es die Gewissheit über seine Liebe, die mich hat glauben lassen, dass das Wetter gegen alle Prognose gut werden würde.

Nein, er wendet nicht jedes Wetter zu meinen Gunsten, aber manchmal da höre ich diese Stimme in meinem Herzen – ich mache es gut für dich. Einfach aus Liebe! – Und das lässt mich vertrauen in die Güte des Vaters.

Denn, ja, ein guter Vater will das tun!

Ich wünsche dir erleuchtete Augen des Herzens, die heute die Güte des Vaters sehen dürfen!

Es ist so gut, an ihm festzuhalten und das ganze Vertrauen auf ihn zu werfen.